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Was macht einen guten Edelbrand aus? (Teil 1)

Viele kennen es, ich als Musiker leider recht gut. Ob auf einer Party, Hochzeit oder sonstigen Veranstaltung - im Kreise sich zuprostender Leute steht man plötzlich mit einem Stamperl da. Während man selbst gerade erst vorsichtig daran gerochen hat und instinktiv schon nach dem nächsten Blumentopf oder einer Vase Ausschau hält um die Flüssigkeit in einem günstigen Moment unbemerkt wegzuleeren, haben die anderen mit zum Teil schmerzverzerrten Gesichtern das Zeug bereits weggekippt und sehen einen erwartungsvoll an.

Wenn wir ein alkoholisches Genussmittel einer bestimmten Sorte konsumieren, tun wir das aber aus den unterschiedlichsten Motiven. Während der eine auf den vollendeten Genusstropfen für die Abrundung nach einem guten Essen Wert legt, möchte der andere vielleicht beim Feiern den Abend mit mehr als nur einen Shot oder Cocktail auflockern.

Ob es uns nun immer bewusst ist oder manchmal auch weniger – grundsätzlich handelt es sich bei Alkohol um ein Nervengift, welches unser Körper über unterschiedliche Stoffwechselwege so schnell wie möglich wieder versucht loszuwerden. Rund 90 Prozent davon bewerkstelligt alleine die Leber durch Oxidation.

Unsere Erwartungshaltung beim Kauf eines Produktes sollte daher jene sein, ein möglichst hochwertiges Erzeugnis für den maximalen Genuss zu erwerben, ohne uns dabei mit weiteren schädlichen Komponenten wie z.B. Methanol oder Acethaldehyd aus dem sogenannten Vorlauf zu belasten.

Wie aber kann man ohne besondere Ausbildung im sensorischen Bereich beim Genuss im privaten Bereich sicher sein, wirklich ein hochwertiges Produkt zu trinken – und sei es nur um vielleicht im Vorhinein besser beantworten zu können, ob der nächste Tag wohl mit pochenden Kopfschmerzen z.B. bedingt durch Fuselakohole im Nachlauf beginnt?

Grundsätzlich zeichnet sich die Bewertung der Qualität eines Edelbrandes oder z.B. auch Whiskey, Rum, Gin, usw. durch vier Faktoren aus.

Der erste davon ist die Sauberkeit. Diese sogenannte Sauberkeit hat jedoch weniger mit der Bewertung der Optik durch unseren Sehsinn zu tun, als mit der sensorischen Beschreibung einer Spirituose durch unseren Geruchs- und Geschmackssinn. Praktisch gesehen wird darüber definiert, ob ein Brand bei der Herstellung sauber in die Fraktionen Vorlauf, Mittellauf und Nachlauf aufgetrennt wurde, denn schlussendlich sollte bei einem Qualitätsprodukt nur der Mittellauf den Weg ins Glas finden.

Bei Obstbränden kann der Vorlauf durch einen klebstoffartigen Geruch wahrgenommen werden, der sich auch durch leichtes Beißen an der Nasenschleimhaut äußern kann. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass ein Edelbrand bereits zu 60 Prozent rein durch unseren Geruchssinn beurteilt werden kann. Dieser stellt somit das wichtigste Entscheidungskriterium dar, ob wir ein Produkt überhaupt trinken sollten. Entscheidet man sich dazu, so wird man im Falle von Vorlauf ein unangenehmes Brennen auf der Zungenspitze spüren. Spätestens dann wäre es Zeit für die Entscheidung, ob man den guten Tropfen schlucken möchte oder besser auch nicht.

Während das Problem von Vorlauf aufgrund der verbesserten Technik bzw. Wissensstand beim Brennen und Fraktionieren in vielen heutzutage erhältlichen Produkten kein Problem mehr darstellt, sieht es beim Nachlauf wieder anders aus. Zwischen den im Nachlauf vorhandenen Fuselalkoholen sorgt z.B. in Obstbränden auch der Phenylethanol mit seinem blumigen Geruch für einen vermeintlich fruchtigen Eindruck, den die meisten Konsumenten (und leider oft auch noch Produzenten), wenn in Maßen vorhanden, als gut bezeichnen würden. Zu viel Nachlauf sorgt jedoch für einen Eindruck von ausgelaugten Obst in der Nase und am Gaumen und verschlechtert den sensorische Eindruck des Produktes maßgeblich. Außerdem sorgen die bereits erwähnten Fuselalkohole für einen dicken Schädel. Neben regional gebrannten Obstbränden lassen sich dabei auch mit schottischem Whiskey oft mehr oder weniger interessante Erfahrungen machen.


Das Erkennen der Sauberkeit eines Destillates erfordert natürlich einiges an praktischer Übung. Beim nächsten Köpfen einer Spirituose oder eines Edelbrandes in der Familie oder im kleinen Freundeskreis könnt ihr eure Aufmerksamkeit aber z.B. auf den Faktor Sauberkeit lenken und darüber diskutieren, wie es wohl beim jeweiligen Produkt darum steht - und wie es euch nach der Flasche am nächsten Tag wohl geht.


In unserem nächsten Artikel erklären wir, welche Grundvoraussetzungen es für die Bewertung eines Edelbrandes, auch in Hinblick auf die Aromatik, braucht.

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